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Leistungen aus der Sozialversicherung | Invalidenversicherung  

Unfallversicherung

SUVA oder andere Unfallversicherungen

Leistungen der Unfallversicherung

Die Unfallversicherung richtet an Arbeitnehmer und ehemalige Arbeitnehmer Leistungen für Unfälle und Berufskrankheiten aus.
Personen, welche nie in einem Arbeitsverhältnis standen, haben kein direktes Anrecht auf Leistungen der Unfallversicherung, sondern bloss abgeleitete Rechte (Bsp.:Hinterlassenenleistungen des Unfallversicherers).

Die Asbesterkrankungen (Asbestose, Lungenkrebs, Pleuramesotheliom) sind entschädigungspflichtige Berufskrankheiten.

Damit die Unfallversicherung die Leistungen anerkennt, muss vom Geschädigten dargelegt werden, dass die Erkrankung mit Wahrscheinlichkeit auf den berufsmässigen Kontakt mit Asbest zurückzuführen ist (sogenannte Kausalität). Dieser Nachweis muss über die Lebens- und Krankengeschichte des Betroffenen erbracht werden.

Ist der Nachweis gegeben, besteht ein Anspruch auf nachfolgende Leistungen:


1. Heilungskosten
Liegt eine von der Unfallversicherung anerkannte Berufskrankheit vor, so muss die Unfallversicherung die Heilungskosten grundsätzlich übernehmen. Dazu zählt der Spitalaufenthalt, die Arzt- und Therapiebesuche, Kuraufenthalte, Medikamente und gesundheitsbedingte Fahrkosten. Ebenfalls zu übernehmen sind ärztlich verordnete Spitex-Leistungen. Die Heilungskosten sind lebenslang auszurichten.


2. Erwerbsausfall: Taggelder und Rente
2.1. Taggeld aus Unfallversicherung

Der Unfallversicherer richtet bei Arbeitsunfähigkeit infolge von Berufskrankheit einen Erwerbsersatz aus, bei Ausbruch der Krankheit vorerst die sogenannten Taggelder.
Die Taggelder betragen 80% des letzten Brutto-Verdienstes von Eintritt der Erkrankung.
Konkret: Hat jemand vor Eintritt der Erkrankung monatlich Fr. 5'000.-- brutto verdient, erhält er bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100% ein monatliches Taggeld von Fr. 4'000.--. Bei tieferer Arbeitsunfähigkeit verringert sich das Taggeld entsprechend.

2.2. Rente aus Unfallversicherung

Zeichnet sich eine dauernde Ganz- oder Teilerwerbsunfähigkeit ab und ist in absehbarer Zeit keine Heilung möglich, so ist das Taggeld in eine monatliche Rente umzuwandeln, welche - bei 100%iger Erwerbsunfähigkeit - wiederum 80% des versicherten Verdienstes beträgt. (Invalidenrente aus Unfallversicherung; nicht zu verwechseln mit der Invalidenrente aus IV)
Die Invalidenrente aus Unfallversicherung wird lebenslang, damit über das Pensionsalter hinaus, ausbezahlt.

Tritt eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ein, so kann bis zum Eintritt des AHV-Alters die Rente angepasst werden (sog. Revision).


3. Integritätsentschädigung
(sozialversicherungsrechtliches „Schmerzensgeld“)
Im Zeitpunkt der Berentung („keine Heilung in absehbarer Zeit möglich“) muss der Unfallversicherer im Falle einer bleibenden Beeinträchtigung eine Integritätsentschädigung an den Betroffenen ausrichten. Bei Asbesterkrankten dürfte das sehr oft der Fall sein.

Bei der Integritätsentschädigung handelt es sich um eine Art „sozialversicherungsrechtliches Schmerzensgeld“.
Die Integritätsentschädigung wird - ungeachtet des jeweilig erzielten Einkommens - als Prozentsatz einer für alle gleichen Summe errechnet. Die fixe Summe wird „maximal versichertes Verdienst“ genannt.
Vom 1. Januar 1991 bis zum 31. Dezember 1999 hat diese Summe Fr. 97'200.-- betragen, ab 1. Januar 2000 waren es Fr. 106'800.--. Seit 1. Januar 2008 sind es heute Fr. 126'000.--. Massgebend dafür, welche Summe bei der Bemessung zur Anwendung kommt, ist der Zeitpunkt des Ausbruchs der Berufskrankheit.

Der Prozentsatz bestimmt sich nach der von der SUVA vorgesehenen Tabelle 10.2.

Integritätsentschädigung gemäss UVG, Tabelle 10, Integritätsschaden bei Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten an den Atmungsorganen (PDF)

Die Tabelle äussert eine Bandbreite von 5-80% der Entschädigungssumme. Die auf den Einzelfall bezogene Einschätzung wird nach dem Kriterium der "Beeinträchtigung der Lungenfunktion" vollzogen. Bei einer Einschränkung der Lungenfunktion von 50% ergibt sich eine Integritätsentschädigung von rund 25%, mithin nach den heute gültigen Ansätzen eine Entschädigung von Fr. 31'500.--.

Tritt eine Verschlechterung ein, wird die Integritätsentschädigung auf Antrag der neuen Situation angepasst.
Für ein Pleuraesotheliom kann die maximale Integritätsentschädigung von 80% beantragt werden, nach den heutigen Ansätzen Fr. 100'800.-- (80% von Fr. 126'000.--). Die Integritätsentschädigung wird an den Betroffenen ausgerichtet. Verstirbt dieser vor Ausrichten der Entschädigung, fällt diese in die Erbschaft.
Die Erben von verstorbenen Asbestopfern können demnach das Ausrichten der Integritätsentschädigung an die Erbschaft nachträglich noch verlangen.

Ein aktueller Fall aus der Praxis:

Italienische Nachkommen eines an einem Pleuraesotheliom erkrankten und in Italien verstorbenen, ehemals in der Schweiz tätigen Arbeiters haben von der SUVA das Ausrichten der Integritätsentschädigung an die Erbschaft verlangt. Die SUVA hat das Begehren abgelehnt.
Das kantonale Versicherungsgericht hat den Beschwerdeführern recht gegeben und eine Integritätsentschädigung von 80% zugunsten der Erbschaft zugesprochen, rückwirkend auf den Zeitpunkt von 2 Jahren vor dem Tod. Die SUVA gegen das Gerichtsurteil rekurriert. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat mit Urteil vom 4. April 2002 festgehalten, dass grundsätzlich ein Anspruch auf Integritätsentschädigung besteht, allerdings der Zeitpunkt für das Ausrichten vom kantonalen Gericht nicht genügend klar festgestellt wurde. Das Verfahren wurde an die kantonale Instanz zurückgewiesen, zur Feststellung, ab wann konkret keine Hoffnung auf Heilung mehr bestanden hat.


4. Hilflosenentschädigung aus Unfallversicherung
Die Erkrankten steht, liegt eine sogenannte Hilflosigkeit vor, zusätzlich zur Rente eine Hilflosenentschädigung zu. Die Hilflosenentschädigung wird abgestuft ausgerichtet, für leichte, mittlere und schwere Hilflosigkeit. Die jeweiligen Beträge sind wiederum vom Verdienst des Betroffenen unabhängig.
Ob und in welchem Ausmass Hilflosigkeit vorliegt, wird anhand einer Beurteilung, welche Alltagstätigkeiten für den Erkrankten noch möglich sind festgelegt (z.B. „Nahrung zubereiten“, „Ankleiden“, „Toilettengang“ etc.).


5. Hinterlassenenrenten
Solange die erkrankte Person lebt, erhalten seine Ehefrau und seine Kinder keine zusätzlichen Rentenleistungen aus der Unfallversicherung. Stirbt die erkrankte Person an den Folgen der Berufskrankheit, haben die Ehefrau sowie die unter achtzehnjährigen Kinder Anrecht auf eine Hinterlassenenrente aus der Unfallversicherung.

Die Hinterlassenenrente für Witwen beträgt 40% des an den Verstorbenen ausgerichteten oder auszurichtenden Rentenbetrages, für Kinder (Halbwaisen) je 15% . Die Hinterlassenenrenten zusammen dürfen nicht mehr als 70% der an den Verstorbenen auszurichtenden Rente ausmachen.

Als Kinder gelten auch erwachsene Nachkommen in Ausbildung, bis zum Alter von 25. Jahren.